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[Translate to German:] Photography by Raimond Spekking / CC BY-SA 3.0

Kulinarisch von A nach B

created by Jan Lüke | |   Tips % Tours

Auch mit Spaziergängen entlang von Restaurants, Bars und Brauhäusern lässt sich Köln entdecken

Köln ist eine wachsende Metropole und mit mehr als einer Millionen Einwohnern die viertgrößte Stadt Deutschlands. Trotzdem sind die Entfernungen vor allem im linksrheinischen Stadtzentrum so kurz, dass man die Stadt auch zu Fuß erkunden kann. Die südlichen Viertel der Innenstadt liegen nur wenige Kilometer vom nördlichen und westlichen Rand des Zentrums entfernt. Wer sich also auf die Suche nach dem kulinarischen Köln begeben will, kann dafür zwar auch Fahrrad oder Bahn nehmen – aber ebenso einfach spazieren gehen.

(by Jan Lüke)

Tour 1 – am Fluss

Im Süden der Innenstadt ist vor wenigen Jahren das jüngste Wahrzeichen Kölns entstanden: der Rheinauhafen. Die drei Kranhäuser auf der ehemaligen Hafenanlage, die für die Schifffahrt mittlerweile nur noch als nächtliche Anlegestelle genutzt wird, wurden zwischen 2008 und 2010 fertiggestellt und prägen heute die Stadtsilhouette. Zwei der drei freistehenden, 40 Meter hohen Gebäude werden als Büros genutzt, das nördlichste Kranhaus in Richtung Innenstadt ist bewohnt. Für die Kölner ist das Rheinufer an dieser Stelle ein beliebter Treffpunkt geworden: Sie joggen oder skaten, sie spazieren oder nutzen die zahlreichen Möglichkeiten, sich auf Bänken oder Treppen in die Sonne zu setzen. Und wo sich viele Menschen gerne aufhalten, findet sich auch ein entsprechendes kulinarisches Angebot.

Vom Malakoffturm, einem Überbleibsel der preußischen Rheinuferbefestigung aus dem 19. Jahrhundert, an dem sich heute ein Biergarten findet, biegt man über eine Drehbrücke ab in den Rheinauhafen. Schon steht man vor dem Dessert des kulinarischen Spaziergangs: dem Schokoladenmuseum (Am Schokoladenmuseum 1a). Köln war lange eine Schokoladenstadt: 1839 gründete Franz Stollwerck unweit des Rheinauhafens ein Unternehmen, das sich im Laufe des 19. Jahrhundert auch der Herstellung von Schokolade widmete. Im 20. Jahrhundert geriet sein Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten, ehe der gebürtige Kölner Hans Imhoff es 1972 übernahm. Zwar produzierte Stollwerck schon kurze Zeit später nicht mehr im Severinsviertel und seit der Jahrtausendwende schließlich gar nicht mehr in Köln, doch Imhoff hinterließ sein persönliches Schokoladen-Denkmal: das 1993 erbaute Schokoladenmuseum. Das Haus im ehemaligen Preußischen Zollamt ist eines der erfolgreichsten Museen Deutschlands! Das Programm beinhaltet Führungen, Kurse zur Herstellung, Verkostungen und neben dem Café mit Rheinblick gibt es einen Shop, in dem sich Schokoladen-Souvenirs aus der ganzen Welt finden. Und im Innern des Glasbaus sprudelt ein drei Meter hoher Schokobrunnen.

Weiter in Richtung Süden steht man schon bald unter den imposanten Säulen der Kranhäuser. In dieser besonderen Lage findet sich eine der bekanntesten Gastronomien der Stadt: Daniel Gottschlich eröffnete 2010 im Belgischen Viertel sein Restaurant Ox & Klee, 2016 packte Gottschlich seine Küche und Auszeichnungen zusammen und zog um – in das mittlere der Kranhäuser im Rheinauhafen. Dort eröffnete er unter demselben Namen erneut und zudem im Parterre seine Bar Bayleaf (Im Zollhafen 18). Gottschlich ist einer von jenen jungen Kölner Köchen, die die althergebrachte Spitzenküche modernisieren, sein Ox & Klee ist mittlerweile mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnet. Er verzichtet auf das Korsett mit den starren Regeln der Spitzenküche und will umso mehr überraschen – übrigens auch in seiner Bar Bayleaf, wo er mit »Food Pairings« Fine-Dining-Gerichte in Beziehung zu aromatisch  auf sie abgestimmte Cocktails treten lässt. Zu Ochsenbäckchen und polnischen Rübchen trinkt man dann einen Asparagus-Margarita aus Spargel-Tequila, Sauerampfer und Gurke. Gottschlich und sein Barchef Michael Elter wollen ihre Gäste in ihrer »Restobar« aus der kulinarischen Komfortzone locken, sie neugierig machen und überraschen. Klassischer geht es weiter, wenn man das Ende des Rheinauhafens erreicht. Das Joseph’s (Agrippinawerft 22) bietet traditionelle, handfeste Küche aus Österreich. Die Räumlichkeiten der ehemaligen Hafenspeicher sind ebenso spektakulär wie der Blick auf den Rhein. Das Joseph’s hat eine der schönsten Terrassen der Stadt: Backhendl und Tafelspitz werden auch direkt an der Rheinpromenade serviert, auf der anderen Rheinseite leuchtet das »Aurora«-Logo auf der Ellmühle.

Tour 2 – durch Nippes

Ein ganz anderes Köln findet sich im Norden der Innenstadt. Viele Kölner Veedel haben ihre eigene Hauptstraße, auf der sich das tägliche Leben der Menschen abspielt. In Nippes, einem der beliebtesten Stadtteile Kölns, ist das die Neusser Straße. Sie ist die Hauptschlagader des Viertels. Auf der Einkaufsmeile und dem Treffpunkt mischen sich Tradition und moderner Ramsch, architektonischer Glanz und Bausünden der Nachkriegszeit – und mittendrin die Kölner. Arm wie reich, jung wie alt. Es ist ein authentischer Blick auf das Leben in der Stadt. Die Gegensätze finden auch kulinarisch ihren Niederschlag, wenn man durch den Trubel die Neusser Straße hinunterläuft. Em Golde Kappes (Neusser Str. 295) ist ein typisches Veedels-Brauhaus, wie es sich in fast jedem Stadtteil findet. Schon von weitem sieht man die goldenen Lettern über dem Eingang des Eckhauses, dessen Vorplatz an der Stadtbahn-Haltestelle Florastraße im Sommer zum Biergarten wird. 1913 eröffnete der Nippeser Wirt Matthias Becker den »Kappes« (kölsch für »Kohl«). Noch heute vermitteln die holzvertäfelten Räume und buntverglasten Fenster des denkmalgeschützten Gebäudes einen Eindruck vom Köln Anfang des 20. Jahrhunderts. Zwar wurde und wird hier nicht eigenes Kölsch gebraut, aber auf den Tellern finden sich Brauhaus-Klassiker wie Rheinischer Sauerbraten oder »Himmel un Ääd« (kölsch für: Himmel und Erde), Kartoffelpüree mit Apfelkompott und »Flönz«, der regionalen Blutwurst. »Joot esse un drinke«, wie der Kölner sagt.
 
Nur wenige Meter weiter findet sich französisches Patisserie-Handwerk bei Törtchen Törtchen (Neusser Str. 325). Vor fast 15 Jahren gründeten Elmar Schumacher-Wahls und Star-Pâtissier Matthias Ludwigs die Feinbäckerei. Bis heute arbeiten sie gegen den Trend: Sie wollen das Handwerk in Backstuben erhalten. In dem kleinen Café mit pinkfarbener Theke wird alles serviert, was der Appetit auf Süßes verlangt: Torten und Macarons, Pralinen und Petit Fours. Die Kreationen verlassen die klassischen Pfade der Patisserie, wie etwa das Törtchen »Milchbubi« – Milchreis-Mousse auf Gewürzboden, darauf Quittenkompott und ein Zimt-Macaron. Geht man nochmals einige Meter die Neusser Straße hinunter, bleibt der hohe Anspruch an kulinarisches Handwerk, allerdings von einem Ursprung am anderen Ende der Welt: Shibuya Sushi (Neusser Str. 332) ist eines der beliebtesten japanischen Restaurants der Stadt. In dem Lokal mit Bar-Charakter werden neben Drinks moderne Sushi-Kreationen aufgetischt. Von klassischen Makis hat man sich hier verabschiedet, stattdessen findet sich etwa die »Torched Philly Roll« auf der Karte. Die Zutatenliste ist lang, der Geschmack überraschend: frittierter Butterkrebs, Tempura, Paprika, Salat, Frischkäse, Avocado, Fischrogen und pikante Mayonnaise.  Nicht weit von hier liegt der Wilhelmplatz, der mit seinem täglichen Wochenmarkt ein idealer Ort für einen Kaffee in der Sonne ist.

Tour 3 – entlang der Aachener Straße

Noch kürzer werden die Distanzen zwischen den gastronomischen Angeboten im Stadtkern. Nirgends erreichen die kulinarischen Trends Köln früher. Nirgends wird das gemeinsame Essen und Trinken so sichtbar auf die Straße verlagert. Am Beginn der Aachener Straße am Rudolfplatz reiht sich Café an Eisdiele und Burrito-Bar an vietnamesisches Restaurant. Und obwohl das Angebot riesig ist, kann es die immense Nachfrage doch nie ganz stillen. Es ist nicht leicht, hier freie Plätze zu ergattern. Das gilt auch für die Beef Brothers (Aachener Str. 12). Unter dem vielfältigen Angebot zählen die Burger der Mini-Kette zu den besten der Stadt – etwa der »Ol´Dirty Bastard« mit Essiggurken, Gorgonzola, Bacon, Tyrrells-Chips und hausgemachter Dill-Creme. Einige Meter weiter steht der Salon Schmitz (Aachener Str. 28), einst ein Mitbegründer des Hypes um das noch immer angesagte Belgische Viertel. Dem Café sind das kleine Lokal »Metzgerei Schmitz« sowie die »Bar Schmitz« angeschlossen. Dieses »Schmitz-Universum«, durchweg in gediegener Baratmosphäre der 50er und 60er Jahre gehalten, versorgt seine Gäste rund um die Uhr – vom Kaffee am Morgen über kleine warme Speise und hochwertiges Speiseeis (die Sorbets sind stadtbekannt!) am Mittag und Nachmittag bis zum letzten Drink in der Nacht. Hier ist man zu jeder Uhrzeit am richtigen Ort. Auf Plusgrade und Sonne ist man hingegen angewiesen, möchte man sich die Aachener Straße hinunter noch im Biergarten am Aachener Weiher (Richard-Wagner-Straße) niederlassen.

Dass es diesen grünen Ort inmitten der Innenstadt überhaupt gibt, hat Köln einem der großen Visionäre seiner Geschichte zu verdanken: Konrad Adenauer. Denn in seiner Zeit als Kölner Oberbürgermeister (1917-1933) erwirkte Adenauer, der später erster Kanzler der Bundesrepublik Deutschland wurde, dass der Innere Grüngürtel, der die Stadt im Halbkreis von Norden nach Süden umschließt, als Parkanlage erhalten blieb. Köln kennt kaum einen besseren Ort für einen Verdauungsspaziergang.

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